Möbel online kaufen: die Maße, an die niemand denkt

Wohnzimmer mit Sofa und Beistelltisch, Blick auf die Raumproportionen – Lorenz Laurent Home

Beim Möbelkauf online scheitert selten die Auswahl. Es scheitert der Weg dazwischen: die Tür, die Treppe, der Karton, der vor dem Haus steht und dort auch bleibt. Diese Punkte stehen in keinem Produktbild, und sie lassen sich alle vorher klären.

Erst abkleben, dann bestellen

Maße vorstellen funktioniert nicht. Ein Couchtisch mit 120 mal 60 Zentimetern ist eine Zahl, kein Bild. Kreppband kostet zwei Euro und beantwortet die Frage in fünf Minuten.

Der Umriss kommt maßstabsgetreu auf den Boden, genau dort, wo das Möbel stehen soll. Dann wird eine Woche drumherum gelebt. Wer nach drei Tagen über das Band steigt, hat die Antwort.

Der zweite Teil wird meist vergessen: die Höhe. Bei einem Sideboard, einem Regal oder einer Pendelleuchte gehört die Oberkante mit Band an die Wand markiert. Der Unterschied zwischen 75 und 90 Zentimetern liest sich klein und sieht im Raum völlig anders aus.

Bei Teppichen ist der Sprung zwischen zwei benachbarten Formaten größer, als er klingt. Zwischen 170 mal 240 und 200 mal 300 Zentimetern liegen 4,08 gegenüber 6,00 Quadratmetern, also fast die Hälfte mehr Fläche. Auf dem Boden abgeklebt ist dieser Unterschied sofort sichtbar, in einer Größentabelle nicht.

Der Weg in die Wohnung

Ein Möbelstück, das in den Raum passt, kommt deshalb noch lange nicht dorthin.

Innentüren folgen im deutschsprachigen Raum meist einer Normreihe mit Türblattbreiten von 61, 73,5, 86 und 98,5 Zentimetern. Bei der häufigsten Größe von 86 Zentimetern bleiben nach Abzug der Zarge rund 83,5 Zentimeter lichte Durchgangsbreite. Ältere Bäder und Abstellräume haben oft nur 73,5er Türen mit rund 71 Zentimetern. Nachmessen dauert eine Minute.

Im Treppenhaus zählt nicht die Breite des Laufs, sondern der Wendepunkt. Um eine Ecke lässt sich ein Stück nur tragen, wenn seine Länge in die Diagonale des Podests passt. Wer ein langes Möbel plant, misst das Podest an der schmalsten Stelle und rechnet mit dem Handlauf, nicht mit der Wand.

Über Treppen ist bauordnungsrechtlich meist eine lichte Höhe von mindestens zwei Metern vorgeschrieben. Ein Schrank von 2,20 Metern kommt dort also nicht senkrecht durch, auch wenn Flur und Zimmer hoch genug sind.

Aufzüge in Wohngebäuden haben häufig eine Kabine von etwa 100 mal 125 Zentimetern bei 80 Zentimetern Türbreite. Ein Sofa von 210 Zentimetern Länge kommt darin auch hochkant nicht mit, weil die Kabinentür nur etwa zwei Meter hoch ist.

Was Speditionslieferung tatsächlich bedeutet

Alles, was über Paketgröße hinausgeht, wird per Spedition zugestellt, und der Standard heißt in aller Regel Lieferung bis Bordsteinkante. Der Fahrer stellt die Ware vor dem Haus ab. Nicht im Treppenhaus, nicht in der Wohnung.

Wer mehr will, bucht es dazu. Üblich sind drei Stufen: bis zur ersten verschließbaren Tür, bis zum Verwendungsort in der Wohnung oder mit Montage und Verpackungsentsorgung. Die Aufpreise liegen im zwei- bis dreistelligen Bereich und sind besser investiert als ein verdorbener Samstag.

Zwei praktische Punkte. Speditionen avisieren telefonisch, meist einen Tag vorher, mit einem Zeitfenster von mehreren Stunden; wer nicht erreichbar ist, verschiebt die Zustellung um Tage. Und die Ware gehört vor der Unterschrift auf dem Ablieferbeleg geprüft, weil Transportschäden nachträglich schwer durchzusetzen sind.

Ab wann zwei Personen nötig sind

Das Gewicht steht meist bei den technischen Angaben und wird regelmäßig überlesen.

Als Orientierung: Bis etwa 25 Kilogramm trägt eine kräftige Person ein Möbelstück allein über eine gerade Strecke. Ab 30 Kilogramm braucht es zwei, ab 50 wird es auch zu zweit auf einer Treppe unangenehm, weil sich das Gewicht beim Kippen auf die untere Person verlagert.

Massivholz wird dabei am häufigsten unterschätzt. Ein Couchtisch aus einem einzigen gewachsenen Stück Holz kann fünfzig Kilogramm und mehr wiegen, eine massive Esstischplatte liegt oft darüber. Das sind Stücke, die einmal aufgestellt werden und dann stehen. Wer im vierten Stock ohne Aufzug wohnt, sollte das vor der Bestellung wissen und nicht am Liefertag.

Bei mehrteiligen Sets kommt dazu, wie viele Kartons anrücken. Eine komplette Essgruppe verteilt sich in der Regel auf mehrere Packstücke, die einzeln nach oben getragen werden müssen; das Gesamtgewicht erreicht schnell den dreistelligen Bereich. Dazu kommt der Platzbedarf: Karton, Kantenschutz und Folie brauchen Stellfläche, bevor überhaupt ausgepackt wird. Und Teillieferungen treffen nicht zwangsläufig am selben Tag ein.

Warum Holz auf dem Bildschirm lügt

Farbabweichungen zwischen Foto und Ware haben drei Ursachen, die sich addieren: das Licht im Fotostudio, die Bearbeitung des Bildes und der Monitor, auf dem es betrachtet wird. Dasselbe Foto auf einem Telefon und auf einem Laptop zeigt bereits zwei verschiedene Farben.

Bei Holz kommt ein vierter Punkt dazu, und der ist der eigentliche. Ein Produktfoto zeigt genau ein Brett. Maserung, Astbild und Farbtiefe unterscheiden sich von Stück zu Stück, und bei Nussbaum oder Teak liegen zwischen zwei Exemplaren derselben Serie sichtbare Unterschiede. Wer ein bestimmtes Bild aus dem Katalog erwartet, wird enttäuscht, ohne dass etwas falsch geliefert wurde.

Bei Wurzelholz, Baumkante und Naturstein ist die Streuung noch größer. Solche Platten sind gewachsene Unikate: Natürliche Öffnungen, Risse, Harzeinschlüsse und unregelmäßige Ränder gehören zum Material und sind kein Mangel. Wer eine durchgehend geschlossene Fläche erwartet, ist mit einem verleimten oder furnierten Aufbau besser bedient. Wie viel offene Fläche realistisch ist, lässt sich an mehreren Aufnahmen desselben Stücks aus verschiedenen Winkeln deutlich besser abschätzen als an einem einzigen Katalogbild.

Es hilft, Fotos bei Tageslicht statt abends unter Kunstlicht anzusehen. Warmes Wohnzimmerlicht bei 2700 Kelvin schiebt jeden Holzton ins Goldene.

Rückgabe von Sperrgut

Beim Onlinekauf besteht in der EU ein Widerrufsrecht von vierzehn Tagen. Das gilt auch für Möbel. Die praktische Frage ist nicht das Ob, sondern wer den Rücktransport bezahlt.

Wer die Rücksendekosten trägt, regelt die Widerrufsbelehrung des jeweiligen Shops. Bei nicht paketfähiger Ware ist diese Angabe besonders wichtig, weil bei einem Speditionsstück dreistellige Beträge realistisch sind. Sie steht meist im Kleingedruckten und wird selten gelesen.

Ein banales Detail: Die Originalverpackung gehört bis zum Ablauf der Frist aufgehoben. Ein massiver Tisch mit fünfzig Kilogramm und mehr übersteht ohne Karton und Kantenschutz keinen Rücktransport, und ein Transportschaden auf dem Rückweg wird schnell zum Streitfall. Wer Platz hat, stellt die Kartons für zwei Wochen in den Keller.

Häufige Fragen

Wie prüft man vorher, ob ein Möbelstück passt?
Den Grundriss mit Kreppband maßstabsgetreu auf den Boden kleben und die Höhe an der Wand markieren. Eine Woche damit leben. Wer über das Band steigt, hat die Antwort schon.

Wie breit sind normale Innentüren?
Übliche Türblätter messen 61, 73,5, 86 oder 98,5 Zentimeter. Bei der häufigsten Größe von 86 Zentimetern bleiben nach Abzug der Zarge rund 83,5 Zentimeter lichte Durchgangsbreite. Ältere Bäder haben oft nur rund 71 Zentimeter.

Was heißt Lieferung bis Bordsteinkante?
Die Spedition stellt die Ware vor dem Haus ab, nicht im Treppenhaus und nicht in der Wohnung. Lieferung bis zur ersten verschließbaren Tür oder bis zum Verwendungsort muss separat gebucht werden.

Ab welchem Gewicht braucht es zwei Personen?
Ab etwa 30 Kilogramm. Bis 25 Kilogramm trägt eine Person über eine gerade Strecke, ab 50 Kilogramm wird auch der Transport zu zweit über eine Treppe schwierig.

Wer zahlt die Rücksendung eines Möbelstücks?
Das regelt die Widerrufsbelehrung des jeweiligen Shops. Bei nicht paketfähiger Ware lohnt es sich, diese Angabe vor der Bestellung zu suchen, denn die Rücksendung eines Speditionsstücks kostet schnell dreistellig.

Alle Möbel im Shop ansehen

Weiter in Journal