Wohnzimmer einrichten: eine ruhige Grundordnung

Ruhig eingerichteter Wohnraum mit Sofa, Teppich und wenigen abgestimmten Möbelstücken – Lorenz Laurent Home

Ein Wohnzimmer wird selten deshalb unruhig, weil die einzelnen Stücke nicht passen. Es wird unruhig, weil in der falschen Reihenfolge entschieden wurde – Deko vor Grundriss, Farbe vor Funktion.

Zuerst: wohin schaut man

Jeder Raum hat einen Blickpunkt. Ein Fenster mit Aussicht, ein Kamin, eine große Wand. Die Sitzgruppe richtet sich danach aus, nicht nach der längsten freien Wand.

Wenn der Fernseher der einzige Blickpunkt ist, wird der Raum zum Kino. Das ist eine Entscheidung, keine Zwangsläufigkeit – in vielen Wohnzimmern ließe sich das Sofa auch zum Fenster drehen und der Bildschirm seitlich stellen.

Dann: die Sitzgruppe als Insel

Möbel an die Wände zu schieben macht einen Raum nicht größer, sondern leerer in der Mitte und enger am Rand. Eine Sitzgruppe wirkt zusammengehörig, wenn die Stücke einander zugewandt sind und nicht mehr als etwa 240 Zentimeter auseinanderstehen – darüber fällt ein Gespräch auseinander.

Zwischen Sofa und Couchtisch bleiben 40 bis 45 Zentimeter. Hinter der Sitzgruppe braucht ein Durchgang 80 bis 90 Zentimeter Breite.

Für den Couchtisch selbst gilt eine einfache Proportion: Er wirkt stimmig, wenn er etwa zwei Drittel der Sofalänge misst und seine Platte ungefähr auf Sitzhöhe liegt oder wenige Zentimeter darunter. Liegt sie deutlich tiefer, muss man sich nach jedem Glas bücken. Liegt sie höher als die Sitzfläche, drängt sich der Tisch optisch vor.

Der Teppich hält alles zusammen

Ein zu kleiner Teppich ist der häufigste Fehler in Wohnzimmern. Er wirkt wie ein Untersetzer und lässt die Möbel darum herum verloren aussehen.

Als Regel sollten mindestens die Vorderbeine aller Sitzmöbel auf dem Teppich stehen. Steht die ganze Gruppe darauf, wirkt es großzügiger. Ein Teppich, der schmaler ist als das Sofa, ist in jedem Fall zu klein.

Wer Spielraum hat, lässt den Teppich auf jeder Seite etwa 20 Zentimeter über die Sitzgruppe hinausreichen. In durchschnittlich geschnittenen Wohnzimmern führt das auf Formate ab ungefähr 200 mal 300 Zentimetern. Kleinere Maße tragen den Raum nur, wenn auch die Sitzgruppe klein ist.

Licht auf drei Ebenen

Ein Deckenlicht allein macht jeden Raum flach. Wohnlichkeit entsteht durch mehrere Lichtquellen auf unterschiedlicher Höhe: eine oben, eine auf Tischhöhe, eine im unteren Drittel.

Drei Lichtpunkte sind in einem mittelgroßen Raum das sinnvolle Minimum, alle warmweiß. Wenn möglich dimmbar – ein Wohnzimmer wird nachmittags anders gebraucht als abends.

Entscheidend ist dabei die Lichtfarbe. Alles zwischen 2700 und 3000 Kelvin bleibt warm, wobei 2700 Kelvin der ruhigste Wert ist. Darüber kippt Licht ins Sachliche und erinnert eher an ein Büro als an einen Wohnraum. Wichtig ist außerdem, dass alle Leuchtmittel im Raum dieselbe Lichtfarbe haben – eine Mischung aus warmem und kaltem Licht wirkt unruhig, noch bevor man den Grund dafür benennen kann.

Zuletzt: Ebenen statt Flächen

Erst wenn Grundriss, Teppich und Licht stehen, kommt Dekoration. Und die wirkt über Höhenunterschiede, nicht über Menge.

Auf einer freien Fläche genügen zwei oder drei Objekte in unterschiedlicher Höhe. Ein schweres Material wie Stein oder Keramik gibt der Gruppe Gewicht. Dazu etwas Textiles für Wärme und eine Pflanze, damit nicht alles stillsteht. Mehr Kategorien braucht es nicht.

Die Höhenstaffelung ist dabei wichtiger als die Auswahl selbst: Sind alle Objekte gleich hoch, liest das Auge sie als eine einzige Fläche. Ein deutlicher Unterschied – etwa ein hohes, ein mittleres und ein flaches Stück – macht aus denselben drei Dingen eine Gruppe. Ungerade Anzahlen wirken dabei zufälliger und dadurch selbstverständlicher als gerade.

Was ein Wohnzimmer teuer wirken lässt

Nicht der Preis der Stücke. Entscheidend sind freie Flächen zwischen den Objekten, ein deutlicher Helligkeitsunterschied zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Element im Raum, und Material, das Struktur hat, statt Muster.

Umgekehrt macht nichts einen Raum schneller billig als viele kleine Dinge auf jeder waagrechten Fläche.

Hilfreich ist auch, die Zahl der Materialien zu begrenzen. Zwei bis drei Hölzer, Metalle oder Steine, die sich wiederholen, wirken ruhiger als sechs, die einmalig vorkommen. Wiederholung liest sich als Absicht, Vielfalt als Zufall.

Häufige Fragen

Womit fängt man beim Wohnzimmer an?
Mit dem Blickpunkt des Raumes und der Ausrichtung der Sitzgruppe. Erst danach Teppich, Licht und Dekoration.

Wie groß muss der Teppich sein?
Mindestens so, dass die Vorderbeine aller Sitzmöbel darauf stehen. Schmaler als das Sofa ist er in jedem Fall zu klein. Mit Spielraum reicht er auf jeder Seite etwa 20 Zentimeter über die Sitzgruppe hinaus.

Wie viel Abstand zwischen Sofa und Couchtisch?
40 bis 45 Zentimeter. Hinter der Sitzgruppe braucht ein Durchgang 80 bis 90 Zentimeter.

Wie viele Lampen braucht ein Wohnzimmer?
Mindestens drei Lichtquellen auf unterschiedlicher Höhe, warmweiß zwischen 2700 und 3000 Kelvin und möglichst dimmbar. Ein Deckenlicht allein wirkt flach.

Sollen Möbel an der Wand stehen?
Nicht zwingend. Eine frei stehende Sitzgruppe wirkt oft großzügiger als Möbel, die rundum an die Wände geschoben sind.

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