Eine Leseecke einrichten

Leseecke mit Sessel, Beistelltisch, Leuchte und Buchstapel in ruhiger Umgebung – Lorenz Laurent Home

Eine Leseecke braucht wenig Platz und wird trotzdem selten benutzt. Meist fehlt nicht der Sessel, sondern eines von drei Dingen: das richtige Licht, eine Ablage in Reichweite oder eine Rückendeckung.

Die Sitzgeometrie entscheidet

Zum Lesen braucht es eine andere Sitzposition als zum Fernsehen. Wer liest, sitzt aufrechter und hält den Kopf ruhiger. Die Sitztiefe passt dann, wenn der Rücken an der Lehne anliegt und die Füße dabei flach auf dem Boden stehen. Ist die Sitzfläche tiefer, rutscht der Körper nach vorn und die Lehne stützt nicht mehr.

Die Lehne sollte mindestens bis zu den Schulterblättern reichen. Reicht sie bis in den Nacken, entlastet sie zusätzlich, sobald man sich zurücklehnt. Eine eher aufrechte, nur leicht zurückgeneigte Lehne hält den Blick auf das Buch, ohne dass der Kopf nach vorn kippt.

Ein sehr tiefer Loungesessel funktioniert dagegen nur mit angezogenen Beinen oder einem Hocker davor. Ein Fußhocker ist dabei kein Zubehör, sondern gleicht die Sitztiefe aus: Liegen die Füße höher, kippt das Becken nach hinten und der Rücken kommt wieder an die Lehne. Wer beides nicht will, sitzt nach zehn Minuten schief.

Armlehnen sind beim Lesen wichtiger als sonst, weil die Arme das Buch halten. Die Höhe stimmt, wenn die Schultern dabei locker bleiben – zu niedrige Armlehnen lassen die Arme hängen, zu hohe schieben die Schultern nach oben. Ohne jede Auflage für die Arme ermüdet das Halten deutlich schneller.

Licht von der Seite oder von schräg hinten

Die häufigste Fehlplatzierung ist eine Leuchte vor dem Sessel. Von vorn fällt das Licht ins Auge, blendet und senkt den Kontrast auf der Seite.

Richtig kommt das Licht von der Seite oder von schräg hinten über die Schulter auf das Buch. Direkt von oben ist es ebenfalls ungünstig, weil Kopf und Oberkörper dann einen Schatten auf die Seite werfen. Welche Seite die bessere ist, hängt vor allem davon ab, wo im Raum Platz für eine Leuchte ist und wo eine Steckdose sitzt.

Die Höhe zählt ebenso: Der Lichtaustritt sollte im Sitzen oberhalb der Blickachse liegen und abgeschirmt sein, damit weder das Leuchtmittel selbst noch ein heller Reflex ins Auge fällt. Ein Schirm oder eine gerichtete Leuchte bündelt das Licht auf die Seite, statt den ganzen Raum aufzuhellen.

Warmweißes Licht mit etwa 2700 bis 3000 Kelvin wird abends als angenehm empfunden. Wichtiger als die Lichtfarbe ist allerdings, dass genug Licht auf der Seite ankommt und dass es gerichtet ist.

Hilfreich ist zusätzlich etwas Grundlicht im Raum. Eine einzelne helle Leuchte in einem sonst dunklen Zimmer erzeugt einen starken Hell-Dunkel-Unterschied, an den sich die Augen bei jedem Blick vom Buch weg neu anpassen müssen. Ein Dimmer macht es leichter, das Leselicht an die Tageszeit anzupassen.

Eine Ablage in Reichweite

Ohne Ablagefläche für Tasse, Brille und Buch wird ein Leseplatz nicht benutzt – das ist der am häufigsten übersehene Punkt.

Ein kleiner Beistelltisch genügt, wichtig ist die Höhe: etwa auf Höhe der Armlehne oder knapp darunter, damit man ohne Aufstehen hinkommt. Steht die Ablage seitlich neben dem Sessel statt davor, ist sie im Sitzen leichter zu erreichen und versperrt den Weg nicht.

Eine kleine Schale darauf fängt Brille und Lesezeichen ab. Wer die nächsten Bücher gleich daneben unterbringt – in einem niedrigen Regal, einem Korb oder einem Stapel auf dem Boden –, spart sich den Weg zum Bücherregal.

Rückendeckung und Abgrenzung

Sitzplätze mitten im Raum werden gemieden. Eine Leseecke funktioniert besser, wenn hinter dem Sessel etwas ist – eine Wand, ein Regal, eine Pflanze. Angenehm ist es zudem, wenn der Blick in den Raum oder zur Tür geht und nicht vom Geschehen weg.

Ein kleiner Teppich unter Sessel und Tisch macht aus zwei Möbeln eine Zone. Das ist der Unterschied zwischen einem Sessel, der irgendwo steht, und einem Ort im Raum.

Ebenso wichtig ist, dass Sessel, Ablage und Leuchte als Gruppe zusammenstehen und nicht über den Raum verteilt sind. Ein Vorhang, ein offenes Regal oder die Rückseite eines Sofas kann die Ecke zusätzlich abgrenzen, ohne sie zu verschließen.

Wo eine Leseecke hinpasst

Ecken, die sonst ungenutzt bleiben, sind ideal: neben einem Fenster, in einem Erker, am Ende eines Raumes, im Schlafzimmer statt einer Sitzbank am Bettende. Wichtig ist nur, dass der Platz nicht im Durchgang liegt – wo ständig jemand vorbeigeht, kommt niemand zur Ruhe.

Tageslicht ist ein Bonus, aber kein Muss – gelesen wird meist abends. Ein Platz neben dem Fenster ohne künstliche Beleuchtung funktioniert schlechter als eine dunkle Ecke mit guter Leuchte.

Steht der Sessel am Fenster, sollte das Tageslicht seitlich einfallen. Sitzt man mit dem Gesicht direkt zum hellen Fenster, blendet es genauso wie eine Leuchte an derselben Stelle.

Häufige Fragen

Welcher Sessel eignet sich zum Lesen?
Einer, bei dem der Rücken an der Lehne anliegt, während die Füße flach auf dem Boden stehen. Dazu eine eher aufrechte Lehne mindestens bis zu den Schulterblättern und Armlehnen als Auflage. Sehr tiefe Loungesessel brauchen einen Hocker.

Wo steht das Licht beim Lesen richtig?
Seitlich oder schräg hinter dem Sessel, sodass es über die Schulter auf das Buch fällt. Von vorn blendet es, direkt von oben wirft der eigene Oberkörper Schatten auf die Seite.

Was braucht eine Leseecke mindestens?
Einen passenden Sessel, gerichtetes Licht und eine Ablage in Reichweite. Ohne Ablage wird der Platz kaum genutzt.

Wie grenzt man eine Leseecke ab?
Über Rückendeckung durch Wand, Regal oder Pflanze, einen kleinen Teppich unter Sessel und Tisch und dadurch, dass Sitzplatz, Ablage und Leuchte dicht beieinanderstehen.

Muss eine Leseecke am Fenster sein?
Nein. Gelesen wird meist abends, deshalb ist gutes Kunstlicht wichtiger als Tageslicht.

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